Urlaub in der Probezeit

Wir haben zum 1. Dezember eine neue Verkäuferin eingestellt und eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart. Nach unserem Kenntnisstand darf sie in dieser Zeit keinen Urlaub nehmen. Sie möchte im Frühjahr gerne eine Woche in die Ferien fahren. Darf sie während der Probezeit Urlaub verlangen? Müssen wir dem zustimmen?

Ein Mitarbeiter hat erst nach einem sechsmonatigen Bestehen des Arbeitsverhältnisses einen vollen Urlaubsanspruch. Das heißt: Erst nach sechs Monaten darf der Arbeitnehmer seinen gesamten Jahresurlaub nehmen.

Es ist aber nicht verboten, dass der Arbeitnehmer auch vor Ablauf der Probezeit oder des sechsmonatigen Bestehens des Arbeitsverhältnisses Urlaub nimmt. Dem Arbeitnehmer steht jeden Monat, in dem das Arbeitsverhältnis besteht 1/12 seines Jahresurlaubes zu. Voraussetzung ist allerdings die Genehmigung des Urlaubes durch den Arbeitgeber. Dieser kann einen Urlaub verweigern, wenn zwingende betriebliche Gründe hierfür sprechen.

Wenn im Arbeitsvertrag keine Regelung bezüglich des Urlaubes während der Probezeit enthalten ist, hat der Arbeitnehmer grundsätzlich Anspruch auf einen anteiligen Urlaub. Der Arbeitnehmer hat allerdings keinen Anspruch auf den vollen Jahresurlaub.

Bei einer Kündigung während der Probezeit oder nach Ablauf der Probezeit kann der Arbeitgeber allerdings keine Ansprüche wegen zu viel gewährten Urlaubs geltend machen.

Es ist daher zu empfehlen, dem Arbeitnehmer nur soviel Urlaubstage zu gewähren, wie ihm bereits durch die Beschäftigungszeit zustehen. Einen Anspruch auf darüber hinausgehenden Urlaub hat der Arbeitnehmer nicht.

Selbstverständlich haben Sie als Arbeitgeber das recht, dem Arbeitnehmer auch Urlaub über seinen eigentlichen Urlaubsan­spruch hinaus zu gewähren – unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer sich in der Probezeit befindet oder nicht.


Dierk Straeter (HOF direkt 2/2013)


Foto: J. Spichala