Wem gehört das Straßenobst?

An vielen Straßen und Wirtschaftswegen stehen Obstbäume. Wem gehören diese Früchte und wer darf sie ernten? Der Landwirt, an dessen Feldrändern sie stehen, oder die Gemeinde? Dürfen die Früchte bzw. Produkte daraus verkauft werden, etwa in einem Hofladen oder auf dem Wochenmarkt?

Wem die Früchte gehören, hängt davon ab, auf wessen Grundstück die Bäume stehen. Früchte sind, solange sie am Baum hängen, fest mit dem Baum verbunden. Der Baum wiederum ist fest mit dem Grundstück verbunden. Damit gelten die Früchte nicht als selbstständige Sache, sondern sie gehören als wesentlicher Bestandteil des Grundstücks nach § 94 BGB dessen Eigentümer.  Werden die Früchte geerntet oder fallen einfach herunter – im Juristendeutsch heißt das „von der Hauptsache getrennt" –, ändert das nichts an den Eigentumsverhältnissen.

Ist das Grundstück verpachtet, ist der Pächter befugt, sich die Erzeugnisse und sonstigen Bestandteile der Sache anzueignen und wird mit Trennung (Ernte) auch Eigentümer dieser. In dem Fall gehören die Früchte also dem Pächter. Soweit der rechtliche Hintergrund.

Im Klartext:                                                                                                                                          Stehen die Obstbäume auf Flächen von Privateigentümern, etwa von Landwirten, dürfen nur diese sie ernten und darüber verfügen. Stehen sie auf Grundstücken der Gemeinde, darf nur die Gemeinde darüber verfügen. Nur der jeweilige Eigentümer ist berechtigt, über sein Eigentum zu verfügen, und kann die Früchte in einem Hofladen oder auch auf dem Wochenmarkt verkaufen. Noch ein Wort zu Obstbäumen auf Gemeindegrund: Viele Kommunen geben ihre Streuobstbestände ausdrücklich zur Ernte frei, zum Beispiel über einen Hinweis in der lokalen Tageszeitung. Interessierte können auch bei ihrer Gemeinde nachfragen.  Sonja Friedemann


Bild: cicisbeo/stock.adobe.com